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Architektur für Architektur

Tham & Videgård Arkitekter kehren dahin zurück, wo alles begann. Und zwar mit einer Architektur für Architektur.

by Jan Zimmermann

Studenten sind sie schon lange nicht mehr, doch haben sie seit ihrer Graduierung im Jahr 1997 die Uni auch nie so richtig verlassen. Bolle Tham und Martin Videgård von Tham & Videgård Arkitekter sind gern gesehene Referenten an zahlreichen Hochschulen dieser Welt. Im Wintersemester 2014/2015 hatten die schwedischen Architekten gar eine Gastprofessur an der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf inne. 2015 sind sie nun noch einmal auf besonders innige und nachhaltige Weise an ihren professionellen Ursprungsort, die Königlich Technische Hochschule in Stockholm, zurückgekehrt: Mit dem Bau der KTH School of Architecture werden ihre Namen gewiss auf lange Zeit mit ihrer alten Hochschule verbunden sein.

Integriert

Der Standort der neuen Schule für Architektur ist kein unbeschriebenes Blatt. Das Gebäude musste in einen bestehenden Hof mit bereits existierenden Fußwegen und umgeben von Backsteinbauten Erik Lallerstedts aus dem frühen 20. Jahrhundert eingefügt und in den Campus bzw. dessen Zirkulation integriert werden. Die optische Integration erfolgte dabei mit einer roten Cortenstahl-Fassade, die Bezug auf die ähnlich farbigen Backsteinbauten nimmt.

Eckenlos

Man könnte den Grundriss des sechsgeschossigen Gebäudes dreieckig nennen, wären die Ecken nicht, nun ja, rund. Auch im Innern sucht man vor allem bei den größeren Räumen und Korridoren vergeblich nach Ecken. Die Idee hinter den Rundungen ist ein offeneres Raumerlebnis, das mehr an eine Landschaft als den Innenraum eines Gebäudes erinnern soll. Die runden Wände führen letztendlich zu einer Erweiterung der Blicke und Wege.

Offen

Neben den runden Wänden tragen auch noch andere Maßnahmen zu Offenheit und Weite bei. So verfügen etwa im Erdgeschoss, vornehmlich im Eingangsbereich, mehrere Räume über eine doppelte Raumhöhe. Zahlreiche enorme Fenster schaffen überdies einen Bezug nach außen und füllen das Interieur reichlich mit natürlichem Licht. Mit einer Dachterrasse und einem Senkgarten verfügt die Schule zudem über zwei Außenbereiche unter freiem Himmel.

Hier geht’s um Architektur.

Inmitten seiner rechteckigen Kollegen aus Backstein wird die School of Architecture mit ihrer Form und Fassade ganz klar zum Blickfang. Durch ihre Besonderheit hebt sie nicht nur sich selbst hervor, sondern letztendlich gerade auch das, worum es in ihr geht: Architektur. Und weil es sich bei dieser Architektur, in der es um Architektur geht, obendrein auch noch um hervorragende Architektur handelt, wurde sie am 19. November 2015 mit Schwedens wichtigstem Architekturpreis, dem Kasper Salin Preis, ausgezeichnet.

Projektdetails
Architekt: Tham & Videgård Arkitekter  
Status: Fertigstellung 2015
Zahlen:

Baufläche: 9.140 m²

Ort: Stockholm
Land: Schweden