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Stille Örtchen

Berschneider + Berschneider schaffen mit ihren „Stillen Örtchen“ allerhöchste „Klo-Kunst“.

by Jan Zimmermann

Der Mensch hat – wie jedes andere Tier auch – so seine Bedürfnisse. Zum Beispiel muss er essen. Und dann, ob es ihm passt oder nicht, muss er irgendwann auch wieder… mal. Weil letzteres häufig mit solchem Ekel oder Angst vor Unreinheit verbunden ist, dass man sich am liebsten davon abwendet und keinen Gedanken daran verschwenden mag, ist Architektur für Toiletten zumeist einfallslos und nichtssagend. Bestenfalls verlegt man sich hier auf Pragmatisches wie eine möglichst leichte Säuberung. Doch das Thema Toilette ist nicht für alle Architekten ein derartiges Tabu. Berschneider + Berschneider zum Beispiel haben mit ihren „Stillen Örtchen“ im Golfclub Lauterhofen drei Klohäuschen hingestellt, wie sie liebevoller kaum gestaltet sein könnten.

Nein zum Toiletteneinheitsbrei

Dass man sich im Golfclub Lauterhofen nicht für eine typisch fantasielose „Notdurftlösung“ sanitärer Art entschied, hatte im Grunde genommen zwei Gründe. Zum einen ist der Golfclub in einem Maße umweltbewusst, welches weit über die Anforderungen des Umweltprogramms Golf & Natur des DGV hinausgeht. Da gibt es etwa eigenen Honig und Apfelsaft, Insektenhotels, eine Heidschnuckenherde für die Rasenpflege und vieles mehr. Plastiktoiletten wären hier absolut undenkbar gewesen. Zum anderen ist hier aber auch Architekt Johannes Berschneider Platz- und Gebäudewart, und der wehrte sich mit Erfolg gegen eine „Garagenlösung“, wie man sie sonst häufig vorfindet.

Drei Klos, eine Schutzhütte, vier Materialien

Der Widerstand Berschneiders war jedoch keineswegs rein destruktiver Natur. Im Gegenteil: der Architekt nahm sich nun selbst des Projekts an und gestaltete drei Klohäuschen aus drei unterschiedlichen Materialien, von denen jedes für sich genommen ein kleines Kunstwerk darstellt. Zunächst wurde aber ein viertes kleines Bauwerk – eine Schutzhütte – in traditioneller Bauweise aus Stroh errichtet, welches die Materialvielfalt komplettiert. Das Stroh hierzu stammte von den golfplatzeigenen Feldern. Neben dieses wurde ein Stahlhäuschen gesetzt, dessen Material Berschneider auf dem Gelände der Bärnreuther Steinbrüche gefunden hatte. Zusammen mit Georg Bärnreuther und dem Betriebsschlosser aus dem Schotterwerk formte er hieraus quasi eine Skulptur mit Klofunktion.

Eine weitere Toilette wurde in traditioneller Technik aus Stampfbeton gefertigt. Hierbei halfen gleich zwölf Freizeitbetonbauer aus dem Golfclub kräftig mit. Gestampft wurde dabei einfach mit den dicksten Golfschlägern: den sogenannten Drivern. Wenn große Jungen unter sich sind…

Das letzte Häusl besteht aus Holz. Die Konstruktion aus CLT (Cross Laminated Timber) ist dabei mit gestapelten Ästen und Stämmen der umliegenden Bäume verkleidet, die aus einer Entbuschungsaktion hervorgegangen waren. Vom rot lasierten Innern aus hat man einen herrlichen Panoramablick über das Tal. Der Blick nach innen ist selbstverständlich verspiegelt.

Die hohe Kunst des Klobaus

Mit den Stillen Örtchen im Golfclub Lauterhofen haben Berschneider + Berschneider nicht nur ein Zeichen gegen lieblose Plastikhäuschen und Sanitärgaragen gesetzt. Sie haben weit darüber hinaus eine regelrechte „Klo-Kunst“ geschaffen (keine Kunst fürs Klo, sondern kunstvolle Klos, versteht sich), die übrigens völlig zu Recht mit dem BDA Preis Bayern 2016 in der Kategorie „Besondere Bauten“ ausgezeichnet wurde.

Projektdetails
Architekt: Berschneider + Berschneider  
Ort: Lauterhofen
Land: Deutschland