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Remisenpavillon

Einfach, aber auch einfach schön: der Remisenpavillon von Wirth Architekten.

by Jan Zimmermann

Der Remisenpavillon von Wirth Architekten befindet sich im niedersächsischen Affinghausen, wo er ein für die Region typisches altes Bauernhofensemble ergänzt. Dabei folgt er den bestehenden Baulinien und schafft als Eckpunkt den ersten Eindruck des Hofes, wenn man sich diesem über die Straße nähert. Gewissermaßen ein Aushängeschild des Hofes also, und obendrein eines, das sich auch sehen lassen kann, vor allem, wenn man genauer hinsieht. Zunächst wirkt das kleine Gebäude nämlich einfach nur wie ein geschlossener massiger Kubus. Erst aus der Nähe wird deutlich, wie sehr er sich eigentlich in der feinen Struktur seines Lochmauerwerks von den Nachbargebäuden abhebt.

Ziegel, Eiche, Sichtbeton

Der Remisenpavillon entspricht sowohl in seinem Maßstab als auch materiell lokal traditioneller Bauweise. In der Fassade aus roten Ziegeln setzen zwei große Tore aus Eichenholz Akzente. Das enorme Flügeltor auf der Nordostseite füllt diese gar fast vollständig aus. Dass die beiden Eichenholztore eine höchst dramatische Geschichte hinter sich haben, sieht man ihnen dabei nicht an. Der Baum, von dem sie stammen, wurde nämlich 15 Jahre vor der Nutzbarmachung des Holzes von einem Blitz getroffen und stand seit jeher tot auf einer Wiese herum, bis schließlich ein Sturm ihn fällte.

Boden und Decke des Remisenpavillons bestehen aus Sichtbeton. In der Decke befinden sich rechteckige Einschnitte, in welchen Birnenfassungen direkt in den Beton eingelassen sind. Diese Beleuchtungslösung bietet nicht nur ein interessantes Design, sondern ist wohl auch der effektivste Weg, um den Raum frei von herabhängenden Hindernissen zu halten.

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Saisonaler Mehrzweck

Wie das Kompositum aus Remise und Pavillon bereits andeutet, handelt es sich bei dem kleinen Bau nicht ausschließlich um ein Wirtschaftsgebäude. Das ist auch richtig so, denn für die Aufbewahrung von Gerät allein, wäre er dann doch einfach zu hübsch. So ist für ihn eine saisonal diverse Nutzung vorgesehen: in den wettermäßig schwierigen Monaten werden neben dem Abstellen von landwirtschaftlichem Gerät je nach Bedarf auch Autos geparkt oder es wird Brennholz gelagert und bearbeitet. Im Sommer, wenn er ausgeräumt ist, dient der Remisenpavillon als Gartenloggia für Empfänge.

So einfach, so schön

So einfach das kleine einräumige Mehrzweckgebäude ist, so hübsch ist es auch anzuschauen. In den Abendstunden möchte man sich schon fast andächtig davorstellen. Dann erinnert der Remisenpavillon nämlich mit der durch die Lochfassade schimmernden Innenbeleuchtung ein Bisschen an eine kleine Kapelle. Innerlich erfüllt er als Remise seinen Zweck. Als Gartenloggia dürfte er wiederum, gerade an besonders heißen Tagen, zu einem angenehmen Ort zwischen drinnen und draußen werden.

Projektdetails
Architekt: Wirth Architekten  
Status: Fertigstellung: 2015
Zahlen:

Fläche: 42 m²

Ort: Affinghausen
Land: Deutschland