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Wohnen | Tower House

Jetzt erst recht!

On Architecture zeigt mit dem Tower House, dass es sich manchmal durchaus lohnt, stur zu sein.

by Jan Zimmermann

Das ist doch einfach nur gemein: Da hat man sich endlich das perfekte Grundstück für das eigene Traum-EFH sichern können, als sich nur wenig später die Stadt drum herum urplötzlich der eigenen Vision zuwider entwickelt. So erging es einem Kunden des Architekturbüros ON Architecture im südkoreanischen Gimhae. Statt der kleingliedrigen Bebauung, die das Viertel so anziehend gemacht hatte, schossen innerhalb kürzester Zeit ringsherum Geschosswohnungsbauten wie Pilze aus dem Boden. Ganz schön ärgerlich. Doch On Architecture zeigte sich unerschütterlich optimistisch und sagte dem Klienten: „Na und? Dann bauen wir dir eben dein eigenes Stadtbild!“

Durchkreuzt

Das Konzept zur Verwirklichung dieses Vorhabens nennt sich „Tower House“ und dreht sich – wie auch nicht anders zu erwarten – um ein Haus mit Turm. Dieses lässt sich vielleicht am besten folgendermaßen beschreiben: Wenn man von schräg oben das gesamte Gebäude im Blick hat, wirkt es, als bestünde es zunächst aus zwei unterschiedlichen Bungalows, die sich in der Mitte kreuzten. Der eine davon ist grün und mit Satteldach, der andere gräulich naturholzfarben mit Flachdach. Aus der Schnittstelle zwischen beiden ragt ein wuchtiger, rot-brauner Turm.

Jedem sein Außenbereich

Der Kunde wünschte sich explizit ein im Verhältnis zum rund 750 m² großen Grundstück kleines Haus mit nach Süden ausgerichtetem Wohnzimmer, während der Architekt wiederum wollte, dass jedes Zimmer einen eigenen Außenbereich hat. Die sich kreuzenden Volumen sind das Resultat beider Wünsche. So stellt jedes vom Turm abgehende Volumen jeweils ein Zimmer, wobei die Räume in den Winkeln zwischen den Volumen jeweils den Außenbereich für ein Zimmer liefern. Ein weiterer, nicht einsehbarer Außenbereich befindet sich unter der weit auskragenden und zum Wohnzimmer gehörigen Loggia am westlichen Ende des grünen „Bungalows“.

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Über Problemzonen Hinwegschauen

Natürlich ist der Turm das große Schmankerl des kleinen Hauses. Als Familienbereich gedacht, kann man hier über die unschönen Entwicklungen der näheren Umgebung hinwegschauen und sich am Anblick des alten Gimhae erfreuen. Das untere Ende des Turms, welches auch den Erschließungskern des Häuschens bildet, ist in Anlehnung eines Hobbies des Klienten, dem Sammeln dekorativer Steine und Topfpflanzen, als „vertikale Galerie“ konzipiert.

Eine Welt für sich

Das terrassierte Grundstück ist liebevoll mit kleinen Bäumen bepflanzt und mit Naturstein ausgestaltet. Letzterer stellt das Material für die niedrige Grundstücksmauer, dient aber auch als Stützwand und Boden für die Terrassen und zumindest teilweise wohl auch als Fundament für die Holzkonstruktion des Hauses. Bildet das Haus an sich schon einen absolut aufsehenerregenden Kontrast zur umliegenden Bebauung, so entsteht zusammen mit dem hübschen Garten eine komplette kleine private Welt für sich. Manchmal lohnt es sich wohl, stur zu sein.

Projektdetails
Architekt: ON Architecture
Status: Fertigstellung: März 2015
Zahlen:

Grundstücksfläche: 752,9 m²
Bruttogrundfläche: 145,77 m²

Ort: Gimhae
Land: South Korea