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Wohnen | Alps Villa

Das Auge am Berg

Die Alps Villa von Camillo Botticini ist ein Traum für Bergverliebte.

by Jan Zimmermann

Die Berge sind, neben dem Meer, jener Ort, den wir wohl am häufigsten aufsuchen, wenn wir uns erholen und der Natur in ihrer Großartigkeit begegnen wollen. Wer in diesen „Extremitäten“ der Welt aufgewachsen ist und dann auszog, sich in „niederen Gefilden“ niederzulassen, wird sie – ähnlich wie ein am Meer Beheimateter den Ozean – stets vermissen. Überhaupt kann der „Bergmensch“ das Flachland auf Dauer nur schwer ertragen. So bleibt für ihn letztendlich die beste Lösung, einfach in den Bergen wohnen zu bleiben. Doch ganz so leicht ist das nicht, denn Wohnraum wird in den Bergen durch selbige auch immens eingeschränkt. Welch Glücksgefühl muss sich da beim Besitzer der Alpenvilla von Camillo Botticini eingestellt haben, als er ein ziemlich großes Grundstück am oberen Rand der norditalienischen Kleinstadt Lumezzane ergattern konnte. Vermutlich wird es später nur von einem einzigen Entzücken übertroffen worden sein, nämlich jenem, als er sein Traumhaus dort fertiggestellt stehen sah.

Halb Lumezzane…

Der Preis der an sich kaum zu übertreffenden Lage ist, dass leider auch die Hauptstraße direkt am Grundstück vorbeigeht, ehe sie sich ins Tal hinabschlängelt. Dafür überblickt man von hier aus praktisch halb Lumezzane – die andere Hälfte wird durch einen Hügel verdeckt. Das Grundstück wird über eine Art überdachten „Außenposten“ des Hauses betreten, von wo aus man entweder zu Fuß über eine elegante Stahltreppe oder mit dem Auto durch die Garage zum Haus gelangt.

Halb vergraben

Das Haus verfügt über vier Ebenen, die aufgrund der Hanglage je nach Seite unterschiedliche Rollen einnehmen. So wird etwa das südseitige Erdgeschoss mit dem Eingangsbereich auf der Nordseite zum ersten Untergeschoss. Die Hauptebene (1. OG Süd/EG Nord) ist im Grundriss ein verzerrtes Hufeisen, das auf der Nordseite einen großen Patio einfasst. Das Hufeisen öffnet sich zu letzterem auf allen Seiten mit großflächiger Verglasung. Im Zusammenspiel mit einer riesigen Fensterfront auf der Südseite lässt sich die Villa von hier aus komplett „durchschauen“. Über dem Ostflügel befindet sich noch ein Mezzanin, das als Arbeitszimmer dient.

Sonnen- und Bergseite

Der große Wohnbereich vor oben erwähnter Fensterfront ist sozusagen der Panoramabereich des Hauses, der, mit oder ohne Austritt, einen geradezu erhabenen Blick ins Tal ermöglicht. Von außen lässt die aus mehreren Trapezen bestehende „Laibung“ des Panoramafensters diesen Teil des Hauses wie ein riesenhaftes Auge wirken, das, wie gesagt, halb Lumezzane im Blick hat. Die vier Trapeze sind mit acetyliertem Holz verkleidet und bilden einen Großteil der Südfassade. Diesem Material steht auf den übrigen Seiten des Hauses eine Verkleidung aus oxidiertem Kupferblech gegenüber, was die beiden Gegensätze von Sonnen- und Bergseite noch einmal hervorhebt.

Fast nix

Da es in den Bergen bekanntermaßen im Winter etwas kälter wird als weiter unten, braucht man hier natürlich auch eine ordentliche Heizung. Die ist in der Alpenvilla nicht nur besonders effektiv, sondern obendrein auch äußerst umweltfreundlich: 65 cm dicke hinterlüftete Wände sorgen in Verbindung mit einer Erdwärmeanlage für nahezu null Heizkosten.

Projektdetails
Architekt: Camillo Botticini  
Status: Fertigstellung: 2014
Zahlen:

Fläche: 360 m²

Ort: Lumezzane
Land: Italien