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Lernen | Public Library in Ceuta

Lesen, Lernen, Schauen

Die neue öffentliche Bibliothek in Ceuta umfängt Teile einer mittelalterlichen Stadt und erlaubt an klaren Tagen einen Blick auf Europa.

by Jan Zimmermann

Die Achtzigtausendseelenstadt Ceuta gehört zu Spanien, befindet sich aber in Nordafrika, am nordöstlichsten Zipfel Marokkos, während ihr Stadtwappen wiederum dem portugiesischen Staatswappen entspricht. All das lässt darauf schließen, dass der Ort eine recht bewegte Geschichte mit so einigen gravierenden Veränderungen hinter sich hat. Beweise hierfür finden sich unter anderem auch unter der Erde. In der von Paredes Pedrosa Arquitectos erbauten öffentlichen Bibliothek Ceutas kann man seit 2013 ein solches Fundstück bestaunen. Hier hat man nämlich Teile einer mittelalterlichen Siedlung der Meriniden freigelegt und drum herum praktischer Weise gleich ein Besucherzentrum eingerichtet.

Am Hang

Das neungeschossige Gebäude ist in einen Hang eingebettet, welcher zu einem gewaltigen Höhenunterschied zwischen den beiden Eingängen führt. So befindet sich der Eingang zum Besucherzentrum im Erdgeschoss, der für die Bibliothek hingegen schon im zweiten Stock. Die Fassade ist in diesen unteren Stockwerken noch der entblößte Beton eines Massivbaus, der dann aber zunehmend von einem Stahlskelettbau mit Glasfassade abgelöst wird, welcher von einer Art Jalousien aus Aluminiumblech verhüllt ist. Diese Jalousien schützen vor Hitze und regulieren die Sonneneinstrahlung durch die dahinter gelegenen Glaswände. Hie und da wird die Fassade durch Fenster mit aus Trapezen und Dreiecken zusammengesetzten Laibungen aufgebrochen.

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Verschoben

Neben der Topografie prägt vor allem die Ausgrabungsstätte im Innern das Gebäude. Die aktuelle Bebauungsstruktur Ceutas hat sich im Verhältnis zur ebenfalls rechteckigen Siedlungsstruktur aus dem 14. Jahrhundert verschoben. Um diese Verschiebung auszugleichen, ist das Gebäude an der Ausgrabungsstätte mit einem dreieckigen Vorsprung versehen. Auf Ebene der alten Stadt befinden sich im Besucherzentrum außerdem Forschungslabors, Lernmittel und Kindereinrichtungen.

Unten Archäologie, oben Europa

Sieben mächtige, dreieckige Betonsäulen, verteilt über die Ausgrabungen, tragen die Decke der historischen Stätte mit bis zu dreifacher Raumhöhe. Um den archäologischen Fund herum gruppieren sich Terrassen mit Lesebereichen. Über dem Fundort, im dritten Stock, befindet sich der Hauptlesesaal. Darauf folgen das Büchermagazin, Archive und Büros. Ganz oben befindet sich eine sonnengeschützte Dachterrasse, auf der man nicht nur lesen, sondern an klaren Tagen auch bis nach Europa blicken kann.

Fazit

Die Kombination aus Bibliothek, archäologischem Besucherzentrum und Ausblick zum nächsten Kontinent macht Ceutas öffentliche Bibliothek zur perfekten Bildungseinrichtung. Dieser Ort ist nicht nur mit massenhaft Bücherwissen angereichert, sondern erlaubt zugleich sowohl einen Einblick in ein untergegangenes Reich als auch einen Blick auf den geographischen Ursprung der heute vorherrschenden spanischen Kultur. Und all das übrigens mithilfe einer ansprechenden, modernen, skulpturalen Architektur.

Projektdetails
Architekt: Paredes Pedrosa Arquitectos  
Status: Fertigstellung: 2013
Zahlen:

Fläche: 6.159 m²

Ort: Ceuta
Land: Spanien